Aufbruch

Es ist früh. Ich stehe am Fenster und betrachte die eingeschneite Welt. Trinke vom frischen Kaffee. Hier ist es friedlich. Wäre ich ein Krokodil, hätte ich, einmal erwachsen, keine natürlich Feinde mehr.

Ich brauche bei diesem Wetter für die Fahrt nach H länger als sonst. Ein Blick in die Zeitung, dann muss ich los. Da werden Kurden als Terroristen bezeichnet und der türkische Staat terrorisiert eine Stadt, bombardiert ein Krankenhaus und tötet hundertfach Zivilisten. Es ist doch alles eine Frage der Propaganda.

Fragen über Fragen spuken mir im Kopf. Gibt es in Deutschland eine Gesinnungsdiktatur? Gehört der Islam tatsächlich zu Deutschland? Kann man Faktenchecks glauben? Gibt es die eine und einzige Wahrheit? Sind Fahrer eines Dieselfahrzeugs mitschuldig an 6000 vorzeitige Tote durch Stickoxid? Gibt es etwas Schöneres, als in einem dunklen Raum den Duft einer gerade gelöschten Kerze wahrzunehmen? Und dann die Frage, wann hört der verdammte Winter auf, an meinen Nerven zu zerren?

Ich fahre durch die Stadt. Knirschender Schnee. Aus dem Radio erklingt klassiche Musik. Frédéric Chopin – Nocturnes, op. 55 – f-moll (Nr.1).

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