Ich komme aus der Nachtschicht

Ich komme aus der Nachtschicht

und hatte ein paar Stunden die Augen zugemacht. Ich weiß, ich werde wieder mal den ganzen Tag müde sein. Eigentlich bin ich zu alt für diese unchristlichen Arbeitszeiten, aber es ist, wie es ist. In Zeiten von Corona, ich gehöre mit meinem Tun zu den systemrelevanten Berufsgruppen, fahre ich wie eh und je zur Arbeit, während scheinbar die halbe Nachbarschaft zu Hause herumlungert und im Homeoffice die Familie nervt.

Vermeidung sozialer Kontakte. Ich mit meinem Kaffee am offenen Fenster. Blauer Himmel, die Sonne strahlt, noch etwas kühl. Ich telefoniere. So oft wie nie zuvor. Erst mit einem Freund. Themen sind Autismus, der aktuelle Erdölpreis (habe mir am Donnerstag reichlich Öl-Zertifikate ins Depot gepackt), Kinder und Trampolin, der im Mai vielleicht nicht stattfindende Vatertag, dies und das. Wenig später meine Schwester in K. angerufen. Wie geht es Mutter, keine Besuche, Kontaktsperre, der ganze unselige Mist.

Mittags eine ausgedehnte Runde mit dem Hund, zur Zeit eine sehr beliebte Freizeitgestaltung. Danach auf unserem Schrebergarten. Meine Frau sieht die Bienenstöcke durch, ich muss ein Rankgitter für Brombeeren und Himbeeren basteln, der Hund schläft.

Mit einem weiteren Freund telefoniert. Auf dem Sofa gedöst.

Im Internet gelesen. In Amerikas Gefängnissen sitzen 2,2 Millionen Menschen ein. Wöchentlich kommen 200.000 Insassen hinzu. Die bekommen langsam wegen Coronaviren das große Zähneklappern. Lasst alle Hoffnung fahren. Eurer Präsident Trump ist ein Idiot, und die Hälfte der Bevölkerung, zumindest jene, die ihn gewählt haben, sind noch verblödeter.

So, jetzt rufe ich meine Mutter an und verspreche ihr, das alles gut wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.